Welches Fahrrad für mein Kind? Teil 1

22 June 2020 - News

Welches Fahrrad für mein Kind?


Wir alle erinnern uns daran, Fahrräder von älteren Geschwistern order Freunden "geerbt" zu haben, die normalerweise zu groß waren, und dass uns oft gesagt wurde: "Mach dir keine Sorgen, du wirst hineinwachsen." Dieser Satz ist wenig tröstlich, wenn man sehr unsicher ist und kaum die Füße auf den Boden kriegt!

Hier bei Frog nehmen wir die Größe eines Kindes bei der Suche nach dem perfekten Fahrrad sehr ernst! Dies ist einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg und die Freude am Radfahren.



Teil 1: Wie finde ich die richtige Fahrradgröße?


Wir freuen uns sehr, dass wir für diesen Blogbeitrag Christopher Deschauer vom Kinderfahrradfinder zu Gast haben. Er wird uns helfen, Licht in das Dunkle der Größenauswahl zu bringen.


Christopher Deschauer betreibt seine Webseite kinderfahrradfinder.de seit 2017. Hier finden Eltern nicht nur viele Ratgeberartikel rund um das Thema Kinderfahrräder, sondern können auch anhand der Körpermaße ihres Kindes leicht passende Modelle aus einer großen Fahrraddatenbank ermitteln. Er ist somit ein Experte, wenn es um Kinderfahrräder geht und eine wirklich gute Ressource für Informationen für alle, die nach einem guten Kinderfahrrad suchen.

Hiermit übergeben wir ihm nun das Wort für diesen ersten Gastbeitrag in unserem Frog Blog:


Über gute Kinderfahrräder in der richtigen Größe


  • „Was? So teuer? Das lohnt doch nicht für die ein oder zwei Jahre, bis das Rad meinem Kind wieder zu klein geworden ist!“

  • „Welches Fahrrad passt meinem Kind?“


Das sind nicht nur sinngemäß die Fragen, die ich hauptsächlich gestellt bekomme, seit ich kinderfahrradfinder.de vor drei Jahren ins Leben gerufen habe – sondern es sind auch genau die Fragen, von denen ich schon vorher wusste, dass sie sich Eltern regelmäßig stellen, und die mich überhaupt erst angetrieben haben, die Seite zu entwickeln. 

Und auch wenn das eigentliche Thema dieses Blog-Eintrags die Größenfrage ist, hole ich hier doch zunächst einmal etwas aus. Denn die richtige Größe ist zwar zentral, aber bei weitem nicht Alles: Es sollte auch das richtige Fahrrad sein.


Was? So teuer? Das lohnt doch nicht.


Meine Antworten: „Und ob es sich lohnt! Und teuer ist es absolut nicht.“ 

Aber von vorne: Den Preis erstmal außen vor gelassen: Natürlich lohnt es sich, wenn der Nachwuchs auf einem Fahrrad mit kindgerechten Komponenten und kindgerechter Geometrie unterwegs ist, statt auf Einem mit drei Zentimeter zu langen Kurbeln, die bewirken, dass sich die kleine Fahrerin oder der kleine Fahrer bei jeder Pedalumdrehung fast mit den Knien gegen die das Kinn stößt. 

Natürlich lohnt es sich, wenn ein Hersteller mit eigens entwickelten Pedalen mit kurzen Achsen und schmalem Tretlagerbereich dafür sorgt, dass Kinder sich nicht X- oder O-beinig wie ein Cowboy auf einem Pferd beim Pedalieren die Knie verdrehen müssen.

Natürlich lohnt es sich, wenn Kinder Bremshebel mit ihren kleinen Händen auch tatsächlich erreichen und sicher bedienen können, weil sie eben speziell für Kinderhände entworfen wurden und darüber hinaus Lenkstangen und Griffgummis mit extra-niedrigem Durchmesser verwendet werden. 

Und während man sich vielleicht zu Recht über Erwachsene wundert, die tausend Euro in die Hand nehmen, um mit Leichtbauteilen an ihren Carbon-Rädern nochmals 200 Gramm zu sparen: Am Kinderrad lohnt wirklich jedes Kilo weniger. Und zwar nicht nur doppelt, sondern vielfach. Denn wenn ein 30 kg leichtes Kind ein 15 kg schweres Rad aus dem Baumarkt fahren soll, dann muss es 50% seines Körpergewichts manövrieren. Chapeau für so viel Kraft und Leidensfähigkeit! Aber wer von uns Erwachsenen wollte so etwas für sich? Ich mit meinen 80 Kilo könnte jedenfalls gut auf ein 40 Kilogramm schweres Rad verzichten… 


Und nun zum Preis 


Nehmen wir als Beispiel ein Frog 62, das neu aktuell 425.- Euro kostet. Schaut man nun in die bekannten Anzeigenmärkte für gebrauchte Kinderräder, wird man sehen, dass dort auch für 2 Jahre benutzte Frog 62 noch um die 300.- Euro aufgerufen werden: Rund 120 Euro Differenz zum Neupreis. Verteilt auf 24 Monate Nutzungszeit sind das rund 5 Euro pro Monat. So viel – oder besser so wenig - wie eine große Pommes und eine Cola am Schnellimbiss. Das ist doch wirklich nicht viel dafür, dass der Nachwuchs einen genauso geeigneten Untersatz fahren kann, wie auch wir Eltern.



Es ist also nicht teuer. Und es lohnt doch. 

Weil sich der Nachwuchs auf einem guten Rad nicht unnötig abmühen muss, machen gemeinsame Fahrradausflüge mit der ganzen Familie mehr Spaß. Weil ein Kind mit einem guten Rad Lust am Fahrradfahren verspürt, statt Frust, wird es auch gerne Fahrrad fahren. Und später als Jugendlicher und Erwachsener auch eher bei dieser gesunden Art der Fortbewegung bleiben.


Welches Kinderfahrrad passt?


Genauso wichtig wie ein gutes Rad, ist die richtige Größe


Am besten lässt die sich natürlich bei einer Probefahrt unter fachkundigen Augen eines neutralen Beobachters ermitteln. Aber zu Probefahrten auf mehreren infrage kommenden Rädern zu kommen, ist oft nicht ohne weiteres möglich: Gerade höherwertige Kinderräder sind meist nicht gerade im nächstbesten Fahrradladen um die Ecke verfügbar. Und wenn doch, ist es manchmal nicht weit her mit der Neutralität des Verkäufers. Denn der ist unter Umständen doch vor allem bestrebt, zu verkaufen, was er gerade im Laden stehen hat – auch wenn die Größe doch nicht so richtig stimmt, kann man dort manchmal Sätze wie „Ach, da wächst sie/er doch bald rein. So hält es auch länger.“ hören. Und das ist natürlich Quatsch.


Das soll nun keinesfalls gegen Probefahrten im Fachhandel sprechen. Die bleiben natürlich das Optimum. Dennoch sollten Eltern unbedingt auch selbst vor dem Besuch im Fahrradgeschäft recherchieren, welche Modelle in welcher Größe überhaupt infrage kommen. Und bei dieser Recherche nach der geeigneten Größe gilt es eigentlich nur auf genau Eines zu schauen: Nämlich die Größenempfehlungen des jeweiligen Herstellers für jedes einzelne seiner Kinderfahrrad-Modelle. 


Marken, die ihre Kinderräder ernst nehmen, halten diese Größenempfehlungen vor. Und man kann sich sehr sicher sein, dass diese auch stimmen. Denn wären sie ungenau, würden sich die Hersteller ins eigene Fleisch schneiden – wären doch zahllose Retouren und unzufriedene (Dann-nicht-mehr)-Kunden die unmittelbare Folge von Fehlern an dieser Stelle. 


Frog Bikes tun sich hier übrigens besonders positiv vor: Nicht nur mit eindeutigen Angaben auf der Webseite, sondern schon bei den Modellbezeichnungen, die schlicht die Mindestinnenbeinlängen für jedes Rad wiedergeben („Frog 52“= 52cm Mindestinnenbeinlänge). Und nicht zuletzt mit der neuen “Frog Fit”-App, die bei der Größenempfehlung nicht nur die Körpermaße berücksichtigt, sondern auch, ob das betreffende Kind bereits sehr sicher Fahrrad fahren kann oder noch eher unsicher unterwegs ist. Denn während Anfänger im Sattel sitzend noch möglichst mit beiden Füßen gleichzeitig fest auf dem Boden stehen können sollten, genügen bei geübteren Kindern beide Fußballen. Und kleine Profis können schon auf- und absteigen wie Erwachsene, so dass Stehen auf einem Fußballen ausreichend ist. 





Mythos und Missverständnis


Die Größe der Laufräder in Zoll „Das 20 Zoll Kinderfahrrad ist zu klein geworden. Also muss jetzt ein 24 Zoll Fahrrad her.“ So lautet sehr häufig der Gedankengang von Eltern. Das liest man so in einschlägigen Elternforen. Und viele Besucher von kinderfahrradfinder.de kommen über Suchbegriffe wie eben „24 Zoll Kinderfahrrad“ mit google auf meine Seite. Ich fürchte, viele Eltern kaufen diesem Gedanken folgend dann auch schnell das erstbeste 24 Zoll Fahrrad, das dem Nachwuchs optisch - und ihnen und vom Preis her gefällt…


Ein großer Fehler


Denn die Größe der Räder in Zoll sagt heute fast nichts mehr über die tatsächliche Größe eines Kinderfahrrades aus. Filtert man die Fahrrad-Datenbank auf Kinderfahrradfinder.de zum Beispiel auf jene 24-Zoll-Modelle, finden sich in den Ergebnissen Fahrräder, die ab einer Körpergröße von 110 cm passen. Aber auch welche, für die das erst ab 144 cm gilt. Und alles Mögliche dazwischen. 110 cm und 144 cm Körpergröße. Das sind Welten bzw. jahrelanges Wachstum. Auch alleine bei Frog Bikes: Frog Road 67 und Frog Hybrid-Rad 62 haben beide 24 Zoll Laufräder – aber 5 cm Unterschied bei der Mindestinnenbeinlänge, um zu passen.


In diesem Zusammenhang: Das Internet ist voll von Größentabellen, die vorgeben, allgemein beantworten zu können, „welche Fahrradgröße“ die richtige fürs Kind sei. Meist mit einer Spalte für das Alter, einer weiteren mit Körpergrößen – und am Ende einer Aussage, dass soundso viel Zoll dann passen. Wer sich beim Kinderfahrradkauf alleine nach solchen Tabellen richtet, wird am Ende und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einem Fehlkauf dastehen. Nämlich mit einem Fahrrad, das dem Kind überhaupt nicht passt. 


Gibt es auch gute Größentabellen? 

Ja, die gibt es auch. Es sind die der Kinderfahrradhersteller selbst, die die Größenempfehlungen für jedes einzelne ihrer Modelle in einer Tabelle hinterlegen – Sprich: Am Ende steht nicht die Empfehlung „soundso viel Zoll“, sondern „genau dieses oder jenes Modell“. … Wenn dieses Missverständnis bezüglich der (nicht vorhandenen) Aussagekraft von Zoll-Angaben für die passende Fahrradgröße irgendwann einmal verschwinden würde, wäre glaube ich vielen Kindern geholfen, die dann endlich auch stets wirklich passende Fahrräder bekommen würden und fahren könnten… 


Mit lieben Grüßen vom Kinderfahrradfinder. 😊 


PS.: Bonustipp - Auch wenn man ein wunderschönes und perfekt passendes Fahrrad ergattert hat, sollten Eltern nicht vergessen, dass Kinder dauernd weiter wachsen. Und dementsprechend ungefähr alle zwei Monate überprüfen, ob eventuell schon wieder die Sattelhöhe nachjustiert werden muss. Und es dann gegebenenfalls auch wirklich tun. ;-) 



Zu guter Letzt: So messe ich mein Kind richtig


Besser hätten wir von Frog Bikes es nicht schreiben können. Hier noch als kleine Ergänzung der Link zum unserer FrogFit App und ein paar Tipps zum richtigen Messen:
  •  Stellen Sie ihr Kind mit Socken an die Wand.
  •  Platzieren sie ein Buch so hoch wie möglich zwischen den Beinen.
  •  Ihr Kind sollte nun zur Seite gehen. Messen Sie nun vom Boden bis zum oberen Ende des Buchs. 


So einfach ist das! Nun können Sie entweder die richtige Fahrradgröße aus unserer Größentabelle entnehmen oder in die FrogFit App eingeben. Hier gibt es auch Informationen zur geeigneten Sattelhöhe.




Wenn Sie mehr über andere wichtige Aspekte erfahren möchten, auf die Sie bei diesem wichtigen Kauf für Ihr Kind achten sollten, werden Sie unseren bevorstehenden Kaufführer für Kinderfahrräder lieben. Dieser Blog-Beitrag befasst sich mit Zahnrädern, Bremsen und vielen anderen Fahrradkomponenten und -merkmalen, die Sie beachten sollten.


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